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<title>Tessera</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Tessera</span></h1>
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<p><b>Tessera</b> (<a href="Latein" title="Latein">lat.</a> für <a href="Viereck" title="Viereck">Viereck</a>;<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Plural: <i>tesserae</i>; das Wort ist abgeleitet vom <a href="Altgriechische_Sprache" title="Altgriechische Sprache">altgriechischen</a> <span lang="grc-Grek" class="Grek">τέσσαρα</span> <i>téssera</i> „vier“<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>) ist die Bezeichnung für die kleinen viereckigen, mehreckigen oder runden Plättchen aus Stein, <a href="Keramik" title="Keramik">Keramik</a>, <a href="Erz" title="Erz">Erz</a>, <a href="Blei" title="Blei">Blei</a>, Bein, <a href="Terrakotta" title="Terrakotta">Terrakotta</a>, <a href="Glas" title="Glas">Glas</a> oder ähnlichen harten Materialien, mit denen man <a href="Mosaik" title="Mosaik">Mosaiken</a> auslegt.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Später wurde <i>tessera</i> auch zur Bezeichnung für den Spielwürfel und für die Plättchen, die als Ausweis, Eintrittskarte oder Münzersatz benutzt wurden. Diese tesserae konnten auch andere Formen haben, so sind etwa vielfach tesserae in runder Form, aber auch in Stabform oder figürlich belegt.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Tesserae_als_Marken">Tesserae als Marken</h2></div>

<p>Bei den Griechen wurden <i>tesserae</i> <span lang="grc-Grek" class="Grek">σύμβολα</span> / <i>sýmbola</i> (Singular: <a href="Symbolon" title="Symbolon">Symbolon</a>) genannt und waren Berechtigungs-, Eintritts- oder Erkennungsmarken sowie Spiel- und Zählmarken. In Athen wurde sie als Teilnahmemarken für die <a href="Bule" title="Bule">Volksversammlungen</a> und die Gerichtsverhandlungen benutzt und waren als solche Anrechtsmarken auf finanzielle Entschädigung. <i>Symbolon</i> bezeichnete auch die Aufenthaltsgenehmigung für vorübergehend im Land lebende Fremde (<i>Xenoi</i>, genauer <i>parepidēmúntes</i> <span lang="grc-Grek" class="Grek">παρεπιδημοῦντες</span>).
</p><p>Beim römischen Militär wurden <i>tesserae militares</i> verwendet. Beispielsweise konnte auf diesen der Name des Soldaten aufgebracht sein; die Objekte dienten dann als eine Art Erkennungsmarke. Außerdem wurden <i>tesserae</i> in der Armee verwendet, um Losungsworte zu übermitteln. Davon leitete sich der Name des <i><a href="Tesserarius" title="Tesserarius">tesserarius</a></i> her, der als Mitarbeiter eines <a href="Centurio" title="Centurio">Centurio</a> unter anderem diese Aufgabe zu erledigen hatte.
</p>

<p>Die bekanntesten <i>tesserae</i> haben die Form von Münzen. Sie wurden ebenso wie diese geprägt und bestanden meist aus Messing. Auf dem <a href="Revers_(Numismatik)" title="Revers (Numismatik)">Revers</a> waren meist Zahlen von I bis XVI – selten bis XIX – geprägt, auf dem <a href="Avers_(Numismatik)" title="Avers (Numismatik)">Avers</a> war in der frühen Kaiserzeit der Kopf des Kaisers geprägt. Diese <i>tesserae frumentariae</i> waren Getreidemarken, die als Berechtigungsmarken für die kostenlose Versorgung mit Getreide (<a href="Latein" title="Latein">lateinisch</a> <i>annōna</i>) fungierten. Eingeführt wurden sie um 23 v. Chr. im Zuge der Reform der Getreideversorgung der Stadt <a href="Rom" title="Rom">Rom</a> durch <a href="Augustus" title="Augustus">Augustus</a>. Die Zahlen markieren den Tag der Getreideausgabe zwischen den <a href="Iden_(Kalender)" title="Iden (Kalender)">Iden</a> und den <a href="Kalenden" title="Kalenden">Kalenden</a>; die Bestimmung des Tages erfolgte durch Rückwärtszählung von den Kalenden. Tesserae, die als Theatereintrittsmarken Verwendung fanden, wurden auch aus Ton gefertigt.
</p>

<p>Im privaten Bereich gab es gegossene Blei-<i>tesserae</i>, die innerhalb des <a href="Klientel" class="mw-redirect" title="Klientel">Klientelwesens</a> als Gutscheine für Geld oder Nahrungsmittel verwendet wurden. Auch im religiösen Leben und bei Festen wurden sie als eine Art Ersatzgeld verwendet. Eine besondere Gruppe der <i>tesserae</i> sind die <i><a href="Spintria" title="Spintria">spintriae</a></i>, die wohl im Bereich der <a href="Prostitution_in_der_Antike" title="Prostitution in der Antike">Prostitution</a> Verwendung fanden.
</p><p>Aus <a href="Elfenbein" title="Elfenbein">Elfenbein</a> gefertigte Scheiben mit konzentrischen Ringen und Zahlen von I bis XX auf dem Avers waren Spielsteine, in Tier- oder Pflanzenform waren sie wahrscheinlich im privaten Bereich verwendete Lossteine.
</p><p><a href="Metalla" title="Metalla">Metalla</a>, die früher als Bergwerksmarken bezeichnet wurden, sind trotz Ähnlichkeiten keine <i>tesserae</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Tesserae_nummulariae">Tesserae nummulariae</h2></div>
<p><i>Tesserae nummulariae</i> waren in der Regel vierkantige, selten auch sechskantige,<sup id="cite_ref-we1_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-we1-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Stäbchen aus Bein bzw. Elfenbein, die als Etiketten für Geldsäckchen dienten. Mit ihrer Hilfe konnte auf dem Behältnis vermerkt werden, dass das darin befindliche Geld hinsichtlich seiner Menge oder Echtheit durch einen Münzwechsler oder -prüfer (<a href="Nummularius" title="Nummularius">Nummularius</a>) überprüft worden war.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Für die Beschriftung der vierkantigen Stäbchen bildete sich eine feste Konvention heraus. Demnach stand auf der ersten Seite der Name des Sklaven, auf der zweiten Seite der Name seines Herrn, auf der dritten Seite der Prüfvermerk (<i>spectavit</i> oder eine Abkürzung davon) mit Angabe von Tag und Monat und auf der vierten Seite die Jahresangabe durch Nennung der beiden amtierenden <a href="Consulat" class="mw-redirect" title="Consulat">Konsuln</a>. Bei den sechskantigen Stäbchen sind die ersten vier Seiten in derselben Reihenfolge beschriftet wie bei den vierkantigen Stäbchen. Die beiden übrigen Seiten sind mit Ornamenten verziert.<sup id="cite_ref-we1_4-1" class="reference"><a href="#cite_note-we1-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>So befinden sich auf einem vierkantigen Stäbchen aus Bein, das auf den 23. Juli des Jahres 5 n.&nbsp;Chr. datiert ist,<sup id="cite_ref-TN1_6-0" class="reference"><a href="#cite_note-TN1-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> folgende Angaben:
</p>
<div style="margin-left: 2em; font-style: italic" class="poem">
<p>CINNAMVS<br>
HOSTILI<br>
SP· X· K· AVG<br>
C· VIB· C· ATEI· COS
</p>
</div>
<p>„Cinnamus, (Sklave) des Hostilius, hat am 23. Juli die Prüfung durchgeführt, als C. Vibius und <a href="Gaius_Ateius_Capito" title="Gaius Ateius Capito">C. Ateius</a> Konsuln waren.“
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Alexander_Mlasowsky" title="Alexander Mlasowsky">Alexander Mlasowsky</a>: <i>Die antiken Tesseren im Kestner-Museum Hannover. Jetons, Spiel- und Verteilungsmarken im alten Rom</i>. Kestner-Museum, Hannover 1991 (<a href="Museum_August_Kestner#Reihe_Sammlungskataloge_des_Kestner-Museums_Hannover" title="Museum August Kestner">Sammlungskataloge des Kestner-Museums Hannover</a>, Band&nbsp;10), ISBN 3-924029-16-4.</li>
<li>Gerd Stumpf: <i>Tessera.</i> In: <i><a href="Der_Neue_Pauly" title="Der Neue Pauly">Der Neue Pauly</a></i> (DNP). Band 12/1, Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01482-7, Sp.&nbsp;178–179.</li>
<li>Catherine Virlouvet: <i>Tessera frumentaria. Les procédures de distribution du blé public à Rome à la fin de la République et au début de l'Empire</i>. École Française de Rome, Rom 1995 (Bibliothèque des écoles françaises d'Athènes et de Rome, 286), ISBN 2-7283-0331-2.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Tessera?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Tessera</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a href="Karl_Ernst_Georges" title="Karl Ernst Georges">Karl Ernst Georges</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeno.org/Georges-1913/A/tessera"><i>Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8., verbesserte und vermehrte Auflage, Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1913–1918.</i></a> 1918,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 28.&nbsp;Juli 2025</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ATessera&amp;rft.title=Ausf%C3%BChrliches+lateinisch-deutsches+Handw%C3%B6rterbuch.+8.%2C+verbesserte+und+vermehrte+Auflage%2C+Hahnsche+Buchhandlung%2C+Hannover+1913%E2%80%931918&amp;rft.description=Ausf%C3%BChrliches+lateinisch-deutsches+Handw%C3%B6rterbuch.+8.%2C+verbesserte+und+vermehrte+Auflage%2C+Hahnsche+Buchhandlung%2C+Hannover+1913%E2%80%931918&amp;rft.identifier=http%3A%2F%2Fwww.zeno.org%2FGeorges-1913%2FA%2Ftessera&amp;rft.creator=%5B%5BKarl+Ernst+Georges%5D%5D&amp;rft.date=1918">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a href="Wilhelm_Pape" title="Wilhelm Pape">Wilhelm Pape</a>, Max Sengebusch (Bearb.): <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeno.org/Pape-1880/A/%CF%84%CE%AD%CF%84%CF%81%CE%B1"><i>Handwörterbuch der griechischen Sprache. 3. Auflage, 6. Abdruck, Vieweg &amp; Sohn, Braunschweig 1914.</i></a> 1914,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 28.&nbsp;Juli 2025</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ATessera&amp;rft.title=Handw%C3%B6rterbuch+der+griechischen+Sprache.+3.+Auflage%2C+6.+Abdruck%2C+Vieweg+%26+Sohn%2C+Braunschweig+1914&amp;rft.description=Handw%C3%B6rterbuch+der+griechischen+Sprache.+3.+Auflage%2C+6.+Abdruck%2C+Vieweg+%26+Sohn%2C+Braunschweig+1914&amp;rft.identifier=http%3A%2F%2Fwww.zeno.org%2FPape-1880%2FA%2F%25CF%2584%25CE%25AD%25CF%2584%25CF%2581%25CE%25B1&amp;rft.creator=%5B%5BWilhelm+Pape%5D%5D%2C+Max+Sengebusch+%28Bearb.%29&amp;rft.date=1914">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Tessera.</i> In: Angela Weyer et al. (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">EwaGlos. European Illustrated Glossary Of Conservation Terms For Wall Paintings And Architectural Surfaces</cite>. English Definitions with translations into Bulgarian, Croatian, French, German, Hungarian, Italian, Polish, Romanian, Spanish and Turkish. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0260-7, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>401</span>, <a href="Digital_Object_Identifier" title="Digital Object Identifier">doi</a>:<span class="uri-handle" style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doi.org/10.5165/hawk-hhg%2F233">10.5165/hawk-hhg/233</a></span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://elearn.hawk-hhg.de/projekte/ewaglos/pages/download.php">Download</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Tessera&amp;rft.btitle=EwaGlos.+European+Illustrated+Glossary+Of+Conservation+Terms+For+Wall+Paintings+And+Architectural+Surfaces&amp;rft.date=2015&amp;rft.doi=10.5165%2Fhawk-hhg%2F233&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783731902607&amp;rft.pages=401&amp;rft.place=Petersberg&amp;rft.pub=Michael+Imhof" style="display:none">&nbsp;</span> <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
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</li>
<li id="cite_note-we1-4"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-we1_4-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-we1_4-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text"><a href="Werner_Eck" title="Werner Eck">Werner Eck</a>, Andreas Pangerl: <i>Drei Tesserae nummulariae</i> In: <a href="Zeitschrift_f%C3%BCr_Papyrologie_und_Epigraphik" title="Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik">Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik</a>, Band 210 (2019), S. 231–234 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.academia.edu/42968191/DREI_TESSERAE_NUMMULARIAE">online</a>).</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Rudolf_Herzog_(Altphilologe)" title="Rudolf Herzog (Altphilologe)">Rudolf Herzog</a>: <i>Nummularius.</i> In: <i><a href="Paulys_Realencyclop%C3%A4die_der_classischen_Altertumswissenschaft" title="Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft">Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft</a></i> (RE). Band XVII,2, Stuttgart 1937, Sp.&nbsp;1415–1456, hier Sp. 1415–1417.</span>
</li>
<li id="cite_note-TN1-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-TN1_6-0">↑</a></span> <span class="reference-text">Tessera nummularia (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://db.edcs.eu/epigr/edcs_id.php?s_sprache=de&amp;p_edcs_id=EDCS-74700576">ZPE-210-232,2</a>).</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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